Historischer Erfolg! 1 x Gold und 2x Silber bei Jugend DM!
Lynn Pöppelmann, Jan Merheim und Finn Merheim fahren zur WM nach Eugene / USA

10. - 12.07./Wattenscheid: Das Wort "historisch" sollte man sicher nicht inflationär verwenden. Schon Silber und Bronze bei der U23 Staffel DM hatten wir mit diesem Begriff gefeiert. Und trotzdem passt er erneut. Was Jan Merheim, Lynn Pöppelmann und Finn Merheim bei der Jugend-DM in Wattenscheid auf die Bahn brachten, verdient das Wort historisch glasklar erneut! Die drei holen Gold, Silber und nochmals Silber - wohlgemerkt bei einer Deutschen Meisterschaft und nicht bei einem Regionssportfest! Und noch eine Dimension höher: alle drei lösen auch das Ticket zur Jugend WM, die in diesem Jahr in Eugene / Oregon ausgetragen werden, und sind als TuSser im Nationaltrikot unterwegs. Damit stellen sie als Verein das größte Kontingent im deutschen Aufgebot. Da muss man einfach ehrfürchtig auf die Leistung des Trios und der Trainer Dieter Dylong (Trainer von Lynn), Martin Block, Arndt Fontes und Frank Briesenick (Trainer von Jan und Finn) schauen.
"Das wird morgen eine goldene TuS Stunde", hatte Rana Bhattacharjee, selbst erfolgreicher DM-Teilnehmer in den 90iger Jahren, am Samstag vorort in Wattenscheid mit Blick auf die Finalläufe von Lynn über die 400m Hürden um 15:05 h und Lasse Block und Jan Merheim um 15:50 h schon prognostiziert. Und die wurde es tatsächlich!
Bei jedem ihrer bisherigen Saison-Rennen hatte Lynn die WM-Quali von 59,75 sec unterboten - genau wie Konkurrentin und Freundin Rebekka Feierle von der LG Östlicher Bodenseekreis, die die deutsche Bestenliste deutlich anführte. Doch alles bereits Erreichte ist für ein WM-Ticket Schall und Rauch, wenn noch eine dritte Athletin die Norm bei der DM erfüllt und sich in der Platzierung vor Lynn schiebt. So musste also im Finale höchste Konzentration über die Hürden, eine saubere Technik und ein guter Rhythmus her. Und das gelang Lynn stark wie noch nie - in neuer persönlicher Bestzeit (58,30 sec). Nach gewohnt schnellem Angang lag sie eingangs der Zielgeraden sogar noch Schulter an Schulter mit der um ein Jahr älteren Rebekka. Letztlich hatte Rebekka aber dann doch die größeren Kraftreserven und konnte auf den letzten 60m davonziehen. Auch sie lief pB. Hinter den zweien, die diesmal eine Klasse für sich waren, unterboten tatsächlich zwei weitere Läuferinnen die WM-Norm. Die beiden Tickets gehen aber an Rebekka und Lynn.

Lasse Block als Held der Herzen im Kampf um das 800m-Ticket für Eugene
45 min nach Lynn standen dann Jan Merheim und Lasse Block über 800m an der Startlinie des U20-Finales. Und beide wurden 1:49,59 min später ausgelassen gefeiert. Jan als Deutscher Meister und WM-Fahrer und Lasse als Held der Herzen. "Lasse, Lasse"- Sprechchöre schallten durchs Stadionrund, so dass es sogar den Reportern im Live-Stream auffiel. Auch sie zollten dem selbstlosen Einsatz von Lasse Respekt - wie alle, die die Situation verstanden haben. Bei der Siegerehrung holte Jan Lasse mit aufs Podest und hängte ihm seine Goldmedaille um. Es war die passende Geste nach einem großartigen Einsatz. Was war passiert? Das DM-Finale war die letzte Chance für Jan Merheim die geforderten 1:50 min für das große Ziel U20 WM noch zu knacken. Danach lief die Frist ab. Also musste die Zeit und ein Platz unter den ersten zweien her. Noch hatte keiner der Finalisten die WM-Norm geknackt. Nun sind Meisterschaftsrennen in der Mittelstrecke eher von Taktik geprägt und eigentlich nie dazu geeignet Qualis zu laufen. Aber Jan wollte alles dran setzen, sich seinen Traum von der WM zu erfüllen. "Der Titel ist ihm Sch...egal", gab Mutter Anne auf der Tribüne einen kleinen Einblick. Also Tempo laufen - auch auf die Gefahr, eine DM-Medaille zu verlieren. Und dann kommt Lasse ins Spiel. Nach dem Vorlauf hatte er sich zurecht gefreut: "Meine erste Einzel-DM-Teilnahme und dann gleich ins Finale!". Nach schwierigeren Jahren war er zwischenzeitlich schon fast wieder beim Fußball - seiner zweiten sportlichen Leidenschaft. Der Einzug ins Finale in seinem letzten Jugend-Jahr belohnte ihn nun für sein Durchhaltevermögen. Und was macht er, der starke Spurtqualitäten mitbringt und in einem langsamen Rennen überraschen könnte? Er macht für Teamkollegen und Freund Jan die Pace, setzte sich vor Jan und machte das Rennen schnell. Im Windschatten konnten sich Jan und weitere drei Athleten halten, bis Lasse dann bei 600m ausstieg, und die vier sich selbst überließ. Jetzt musste es Jan von vorne richten. Kampf gegen die Uhr, die unerbittlich runtertickte, und gegen die drei Konkurrenten, die auch von Lasses Einsatz profitiert hatten und nun im Windschatten von Jan hingen. Doch Jan (und Lasse!) wurden belohnt. Fünf Hundertstel Vorsprung rettete Jan ins Ziel und eine Zeit von 1:49,59 min, 41 Hundertstel unter der Norm. Auch der zweite und dritte liefen mit 1:49,63 und 1:49,64 unter dem WM-Richtwert, aber nur der Silbermedaillengewinner wird Jan nach Eugene begleiten....um eine Hundertstel. Dass Jan Merheim der erste U20-Läufer in der Vereinshistorie ist und immer bleiben wird, der die 1:50 über 800m unterbietet, gerät bei all den Ereignissen rund ums Rennen schon fast in den Hintergrund.

Tags zuvor hatte Finn Merheim die Aufgabe, den bisher im Ranking besser Platzierten Philipp Blum im 1500m Finale hinter sich zu lassen, souverän gemeistert. Hier war die Ausgangssituation eine völlig andere: Drei Normerfüller, Finn mit seiner Zeit auf Platz drei. Er musste also den mit Abstand Jahresschnellsten Piet Hoyer oder den Erlanger Philipp Blum hinter sich lassen. Bereits im Vorlauf am Freitag hatte Finn seine Stärke gezeigt und ein taktisch starkes Rennen gelaufen. Auch im Finale hatte er alles im Blick, lief lange Zeit auf Platz vier, Philipp Blum immer hinter sich, und setzte sich dann 200m vor dem Ziel mit Piet Hoyer ab. Silber für Finn! Das feierten übrigens auch viele "kleine" Fans in Brück mit. Finn ist derzeit an einer Grundschule in Brück im offenen Ganztag beschäftigt und natürlich mit seiner Ausstrahlung und seinem Wesen ein Held für die Kids. "Ich habe mit dem Papa den Live-Stream geguckt und dann ganz laut aus dem Fenster geschrien," erzählte ein Neunjähriger am Tag danach bei seinem eigenen Wettkampf im Stadion in Solingen. Es gibt wohl niemanden, der sich nicht mit Finn freut! Er hatte in den letzten Jahren viel Pech - mit Corona kurz vor dem DM 2022, einem Bänderriss im Alltagsleben im letzten Jahr, gesundheitliche Probleme 2023 und 2024. Eine gezielte Vorbereitung auf eine DM oder sogar WM war nie möglich gewesen. "Man muss einfach immer dran bleiben und kämpfen, irgendwann wird man belohnt und kann alles erreichen!", blickte ein überglücklicher Finn selbst auf die Seuchenjahre zurück. Trainer Martin Block hatte bereits Zuversicht vor Finns Finale ausgestrahlt und war fest von der Stärke seines Schützlings in diesem Jahr überzeugt. "Angespannter als vor dem 1500m Finale war ich bei den Vorläufen über 800 für Jan und Lasse. Da gibt es schon mal Gedränge und man ist schnell draußen". Glücklicherweise ist auch dort alles gut gegangen, wie wir bereits wissen.
Noch lange nach der Meisterschaft feierten unsere DM-Helden Jan und Finn Merheim und Lasse Block mit Trainern und Anhang bei einer spontanen Pool-Party in Köln. Mit allem Grund!!

Über die 3000 Strecke standen in Wattenscheid Mara Kösters und Janne Dankwerth an der Startlinie. "Ich freue mich auf mein erstes DM-Einzel-Rennen", strahlte Mara vor dem Aufwärmen. Noch im letzten Jahr war sie in der U18 um weniger als eine Sekunde an der Norm gescheitert. In der U20 holte sie sich diesmal die Quali, die noch um einige Sekunden schwieriger ist. Leider lief es für sie wie auch für Janne nicht optimal im Rennen. Die gute Zeit aus der Saison bisher und ein starker Platz in der Deutschen Bestenliste bleibt ihnen aber!

Im Sprintbereich schickte Trainer Carl Seeliger eine 4x100m Staffel ins Rennen. Und die hat es schon wieder getan - einen Vereinsrekord ausgelöscht, der immerhin von 2005 bis 2025 20 Jahre Bestand hatte. Vor einer Woche bei der U23 DM war es der Männer-Rekord, der nach 53 Jahren dran glauben musste, diesmal - in leicht veränderter Besetzung - der U20 Rekord. Jonah Dücker ist mit 20 Jahren zu alt für eine U20-Staffel. Für ihn rückte Paul Diedrich ins Quartett mit Timon Dücker, Yad Saley und Jonah Sachse. Auf 42,88 sec drückten sie den Vereinsrekord. 43,76 sec standen zu Beginn der aktuellen Saison noch in der Liste. In der DM Abrechnung war das Platz 15 wert... mit Perspektive nach oben. Denn auch im nächsten Jahr kann das Quartett noch in derselben Besetzung antreten.
WIR GRATULIEREN UNSEREN WM-TEILNEHMERN UND IHREN TRAINERN. ES WAREN WIRKLICH FURIOSE TAGE!!
Die Bilder von Dirk Gantenberg zeigen deutlich, wieviele Emotionen im Spiel waren...

Dank an Lasse direkt nach dem Rennen.

Der knappe Zieleinlauf
Finn feiert seinen Triumpf













