Jan Merheim, Finn Merheim und Lynn Pöppelmann bei U20 WM in Eugene
05. - 09.08. / Eugene (Oregon). Der Kölner Stadtanzeiger hatte in seiner Ausgabe am 04.08. getitelt: "Festtage für den TuS Köln rrh." Und wirklich ist grandios, was Lynn Pöppelmann, Jan Merheim und Finn Merheim in den letzten sechs Wochen abgeliefert haben. Nach ihren Medaillen bei den Deutschen Meisterschaften in Wattenscheid, waren die U20 Weltmeisterschaften in der ehrwürdigen Arena in Eugene / Oregon, der Gründungsstadt von Nike und der Heimat des legendären Hayward Field, der nächste Höhepunkt für die drei jungen Sportler, aber auch für den Verein. Bereits Ende Juli ging es im Tross des DLV mit insgesamt 70 Athletinnen und Athleten ins Pre Camp nach Oregon, bevor dann am 05.08. die Wettkämpfe begannen.

Berechtigte Chancen konnte sich nach der Meldeliste Lynn auf den Einzug in die zweite Runde über die 400m Hürden machen. Und genau das gelang der erst 17jährigen gegen die zum Teil knapp zwei Jahre ältere Konkurrenz fast mühelos. Als Vorlaufdritte in einem Hundertstel-Zieleinlauf zog sie mit einer Zeit von 58,76 (pB 58,30) ins Halbfinale ein. "Ich habe mich riesig auf mein Rennen gefreut", gab sie später zu Protokoll. Bereits bei der Vorstellung der Athletinnen vor dem Start hatte sie in die Kamera gestrahlt. "Der Rhythmus war aber leider nicht gut", zeigte sie sich mit Runde 1 aber unzufrieden. Bereits an der zweiten Hürde musste sie statt des geplanten 15er Rhythmus auf 16 Schritte umstellen und mit dem weniger starken Bein die Hürde überqueren. "Eigentlich läuft sie die ersten fünf Hürden die ganze Saison schon im 15er-Rythmus," erläuterte Trainer Dieter Dylong, der sich Lynns Lauf in Eugene live vorort angeschaut hatte. "Ich verknüpfe das mit einem Urlaub", so sein Plan. Gerade weil der Lauf nicht perfekt war, war die Zeit umso stärker zu bewerten. Und natürlich wollte Lynn es im Halbfinale besser machen. Ins Halbfinale zwei Tage später fand sie allerdings zu keinem Zeitpunkt wirklich ins Rennen. Mit Lauf und Zeit (59,27 sec) war sie dann auch eher unglücklich: "Das habe ich mir anders vorgestellt", kommentierte sie ihr Rennen im Ziel enttäuscht. Sehr verständlich. Mit etwas Abstand kann sie aber hoffentlich mit Stolz auf das Geleistete schauen: Als 19te angereist und als 19te aus dem Wettkampf gegangen, zum dritten Mal in Folge nach den U18-Europameisterschaft 2024 in Banska Byceria (Halbfinale) und bei den europäischen Jugendspielen in Skopje 2025 (Finale, Platz 5) mindestens das Halbfinale erreicht... und im nächsten Jahr nochmals die Chance in der U20 auf eine noch bessere Platzierung Das sind sehr viele Gründe, um stolz zu sein wie wir finden!
Jan Merheim hatte als einer der hinteren in der Meldeliste nur eine klitzekleine Chance, Runde 1 zu überstehen. Und genau die nutzte er!! Mit Mut und Können..und dem Quäntchen Glück, das man braucht. Sein zweiter von fünf Vorläufen, war der einzige, in dem Tempo gelaufen wurde, alle anderen Rennen waren taktisch geprägt. Fünf neue pBs waren die logische Konsequenz für die Teilnehmer im zweiten Vorlauf, den Shafeck Murungi aus Uganda in 1:46,64 min gewann. Einer der fünf war Jan, der ab sofort mit 1:49,30 und dem Ort Eugene / USA in der Vereinsrekordliste geführt wird. Sein siebter Platz reichte zwar nicht für die direkte Qualifikation, die den ersten fünf vorbehalten war, aber die beiden weiteren Zeitschnellsten, die auch in Runde zwei starten dürfen, kamen aus seinem Rennen - und damit Jan als siebter auch! Schon als er noch gar nicht wissen konnte, dass die Zeit reichen würde, strahlte er im Zieleinlauf über das Rennen. Absolut zu Recht! Im Halbfinale sollte sich die Tempojagd wiederholen. Vom ersten Meter an bolzten die Läufer Tempo. Irgendwann musste Jan dann abreißen lassen und kam in 1:51,02 min ins Ziel. Offensichtlich hatte der Lauf am Vortag dann doch viel Kraft gekostet. "Halbfinale war also Endstation", postete er aus Eugene, "aber ich hatte soviel Spaß! Ich konnte das Rennen so angehen, wie ich es mir vorgenommen hatte. Ich konnte es leider nur nicht zu Ende bringen wie ich es mir gewünscht hätte".
Für Zwillingsbruder Finn über die 1500m sah die Situation in der Meldeliste ähnlich aus wie für Jan Die Weltspitze ist noch einmal drei bis vier Sekunden schneller und kann in taktischen Vorläufen "spielen". In einem unruhiger Lauf musste Finn häufiger auf Bahn zwei und drei ausweichen, und als in der Schlussrunde die Post abging, riss sein Kontakt 250m vor dem Ziel zu den schnellsten ab. "Ich hatte mir mehr von meinen Beinen erhofft", gab er nach dem Rennen und Blick auf seine Zeit von 3:50,30 min (Platz 9) einen Einblick (pB 3:46,40 min). "Ich muss anerkennen, dass nicht mehr drin war. Die anderen sind schon extrem stark." Und dann ließ er im Interview noch folgen "Ich sauge das alles total auf und nehme es als Motivation mit". So soll es sein! Es sind ganz sicher besondere Erlebnisse, die unsere drei Athleten mit ihrer Reise über den Ozean und in die große Sportwelt mitnehmen. Einfach Festtage!















